Flugangst - Zahnarztangst

Haben Sie schon einmal im Flugzeug gesessen, um Ihr Ziel zu erreichen? Und war das entspannend? Wenn ja - es sei Ihnen gegönnt!

Wenn nein - Trösten Sie sich! Die meisten anderen Menschen mögen es auch nicht, bewegungslos festgeschnallt durch Luftturbulenzen zu schaukeln, ohne bei Bedarf aussteigen zu können: Was für ein Gefühl der Erleichterung, ja, der Dankbarkeit, wenn der Pilot das Flugzeug mit routinierter Hand wieder auf den Boden setzt und wir das Gefühl ablegen dürfen, unbeeinflußbaren Mächten ausgeliefert zu sein.

In vielen Ländern, in denen Gefühle nicht so stark hinter Fassaden versteckt werden wie bei uns, klatschen die Passagiere nach jeder geglückten Landung Beifall! Auch Dankbarkeit ist ein Akt der Befreiung von schlechten Gefühlen...

Eine gute Ausbildung, Routine, Professionalität und eine weit fortentwickelte und verfeinerte Technik sind für uns heute Alltag und erscheinen oft wie selbstverständlich. Aber schon ein bisschen Seitenluft (sagen wir, so etwa ab Windstärke 9) oder ein unverhofftes Luftloch zeigen uns, wie klein und verletzlich wir eigentlich immer noch sind. Oder? Geben wir es doch ruhig zu – es lacht ja keiner darüber!

Luftloch – Zahnloch. Ist der Vergleich zu weit hergeholt? Auch der Zahnarzttermin ist für die meisten Menschen kein Programmpunkt wie jeder andere. Auch beim Zahnarzt erleben wir uns in einer Situation, die unfrei macht, die uns Angst einflößt oder zumindest doch tiefere Gefühlsschichten anspricht als uns im Alltag lieb ist.

Aber während die sogenannte Flugangst heute absolut gesellschaftsfähig ist und in Wochenendkursen unter psychologischer Leitung abtrainiert werden kann, fühlen wir uns mit der Angst vor zahnärztlichen Eingriffen weitgehend hilflos: Wegen „so was“ zum Psychologen rennen? Eher schon gehen wir nicht zum Zahnarzt oder „vergessen“ – unser Unterbewusstsein spielt dabei nur zu gern „Komplize“ – den schon vereinbarten Zahnarzttermin...

Der Schmerz ist es ja nicht! Heute jedenfalls sollte er es nicht mehr sein, weil Ausbildung und Technik sich in den letzten zwanzig Jahren doch sehr gewandelt haben und mit den Methoden unserer Kindheit kaum noch etwas gemeinsam haben. Schmerzen beim Zahnarzt? Ja, die gibt es noch: Werden kranke Zähne lange Zeit nicht behandelt, dann entzünden sie sich irgendwann: Die sonst so sicher wirkende Anästhesie wirkt dann nicht so gut, weil das Betäubungsmittel durch die Säuren des Entzündungsgeschehens neutralisiert wird! - Alles kommt also darauf an, Entzündungen am Zahn durch vorbeugende Behandlungen und regelmäßige „Wartung“ so weit wie irgend möglich von vornherein auszuschließen.

Auch Flugzeuge müssen regelmäßig zur Inspektion: Es geht um Ihre Sicherheit! Und um Ihre Gesundheit.

Tipps gegen Zahnarztangst

Die „Angst vor dem Zahnarzt“ ist ein häufig in Cartoons aufgegriffenes Thema: 80 % aller erwachsenen Menschen fühlen sich beim Zahnarzt nicht wohl, 60 % „unter Druck“. In Wahrheit ist es natürlich nicht die „Angst vor dem Zahnarzt“, sondern die Angst vor der zahnärztlichen Behandlung, der wir uns ausgeliefert fühlen.

Zähne sind unsere „Aggressionsorgane“ – wir „zeigen jemandem die Zähne“, wenn wir uns wehren. Daher fühlen wir uns entschieden wehrlos, wenn mit den Zähnen „etwas ist“; Manipulationen im Mund stellen eine Verletzung unseres inneren Schutzwalles dar! Die Haltung auf dem Zahnarztstuhl - zurückgelehnt mit geöffnetem Mund wehrlos einer „Metallwaffe“, einer Sonde oder einem Bohrer gegenüber zu sitzen - ist auch nicht dazu angetan, sich frei und locker zu fühlen! Je mehr Vertrauen wir unserem Zahnarzt durch eigene gute Erfahrungen oder positive Berichte anderer entgegenbringen können, desto besser gelingt es uns natürlich, auch diese Situation mit Ruhe und Gelassenheit zu überstehen.

Bleibt unser Körper, der uns gelegentlich einen Streich spielt, indem er angesichts einer „Gefahr“ die alten Schutzprogramme aktiviert: Angriff oder Flucht!

Beides braucht vermehrte Energie – unser Körper hilft uns dabei, indem er Adrenalin freisetzt, den Energieschub aus der Nebenniere: Herzklopfen und beschleunigter Puls sind die Folge: Zum Wegrennen und Kämpfen wunderbar! - Beim Stillsitzen im Flugzeug, im Wartezimmer und im Zahnarztstuhl nicht zu gebrauchen!

Was können wir also tun, um diese natürliche Reaktion unseres Körpers angemessen zu begrenzen? Vollnarkose oder die Wirkung starker Tranquilizer wie Valium sollen an dieser Stelle nicht diskutiert werden: Sie sind sicherlich in einigen extremen Ausnahmesituationen wirksame und berechtigte Hilfsmittel, Rettung in sonst aussichtslose Situationen zu bringen. Aber sie machen uns durch Bewußtseinsausschaltung in Wahrheit doch noch „wehrloser“! Zur grundlegenden Verbesserung der Situation, zur Stärkung unseres Willens und unseres Selbstwertgefühles, zur Kräftigung unseres Ichs, tragen sie nicht bei: Was für ein herrliches Erlebnis, zu sehen, dass ein schüchternes, verängstigtes Kind nach ein, zwei oder auch drei Behandlungen in ruhiger, ehrlicher Atmosphäre Vertrauen zu sich selbst gewinnt und nicht nur der Zahnarztsituation heiter gegenübertritt: Auch „für´s Leben“ hat ein Kind nach diesem Erlebnis der Angst- und Selbstüberwindung etwas gelernt, was ihm in mancherlei fordernden Situationen auf seinem Lebensweg zugute kommen wird!

Die Veränderung des beunruhigten Bewusstseinszustandes in sanfterer Form, etwa durch beruhigende Musik, Autosuggestion („Ich werde immer ruhiger; Herzrasen ist ganz überflüssig!“) und dergleichen sind sicherlich in der überwiegenden Mehrheit aller Situationen beim Zahnarzt angemessene Hilfen, dem Stress entgegen zu steuern. Zur Autosuggestion kann, wenn man das möchte, auch eine vorgegebene Suggestion kommen, sodass tranceartige Zustände erreicht werden können, in denen das Bewusstsein so weit verändert ist, dass es nun mit den als Problem bekannten Situationen gut zurecht kommt: Nichts anderes ist die medizinische Hypnose. Entweder ist man mit diesem Weg so zufrieden, dass man es dabei belässt - dann werden Behandlungen künftig eben nur noch "in Hypnose" ausgeführt, oder man fühlt sich irgendwann so gut gewappnet, dass man auch im hellwachen Bewusstseinszustand gut mit der an und für sich harmlosen Situation (wieder) gut zurecht kommt.

Licht in das Dunkel zu tragen, sich bewusst mit dem eigenen Zustand und den vorgeschlagenen Maßnahmen zu beschäftigen, nicht vor der Angst davon zu laufen, die bewusste Entscheidung zur Behandlung, sich voll und ganz auf die Behandlung einlassen: Dies tritt der unterschwelligen Angst am wirkungsvollsten entgegen! Für die offenliegenden, klaren Angstsymptome können anthroposophische beziehungsweise homöopathische Mittel wie zum Beispiel Aurum metallicum-Tropfen (Chamomilla-Kügelchen bei Kindern) eine Unterstützung sein.

Schließlich seien noch die Bachblüten (potenzierte pflanzliche Arzneitropfen nach dem englischen Arzt Edward Bach) erwähnt, die als Einzelmittel oder in Form der sogenannten Rescue-Tropfen auch als Komplexmittel zur Verfügung stehen.

Lebenslange hartnäckige Ängste erfordern manchmal auch intensivere Therapieformen.

Erste Internet-Informationen hierüber geben z. B. der Berliner Zahnarzt und Facharzt für Psychotherapie Alexander Pirk , das Deutsche Institut für Angstüberwindung, mit dem wir zusammen arbeiten oder das Deutsche Institut für Psychosomatische Zahnmedizin.

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