Mit welcher Zahnpasta soll ich meine Zähne putzen?

Wohl kaum eine Frage hören wir Zahnärzte in der Praxis häufiger - da hat der Slogan "Die empfiehlt der Zahnarzt seiner Familie" wohl schon vor Jahrzehnten das Bewusstsein geprägt...
Also: Welche empfehlen wir denn nun unseren Kindern - und womit putzen wir selbst?

Mal vorab: Wir sind praktische Zahnärzte - keine unabhängigen Prüfinstitute! Der Markt verändert sich - aber auch viele Inhaltsstoffe in seit Jahren bestehenden Marken verändern sich. Da kann es schon schwer sein, den Überblick zu behalten! Dafür gibt es Prüfinstitute und Prüf-Studien - wie unabhängig die sind, ist allerdings auch nicht immer ganz leicht zu durchschauen! Und wenn man das Geschäft schon länger beobachtet, bemerkt man auch, dass - je nach Wissensstand und grundsätzlicher Orientierung des Beobachters - die Bewertungen der Zusätze in den Zahnpasten unterschiedlich geraten können: Das Natriumlaurylsulfat, einst beliebter schaumbildender Reiniger in vielen Zahnpasten, wurde schon vor Jahren wegen einiger Nebenwirkungen großflächig wieder entfernt. Aber was ist mit dem Bakterienkiller Triclosan (ein umstrittener Wirkstoff, der für medizinische Seifen entwickelt wurde, inzwischen aber trotz umstrittener Wirkung und Nebenwirkungen in Reinigungsmitteln weit verbreitet ist und auch einigen Zahnpasten zugesetzt wird)? Wie bewerten die Prüfer Parabene (sind als billige Haltbarmacher in den meisten Pasten enthalten, sind aber bei einigen Menschen allergieauslösend) und Polyethylenglykole (PEGs), die als Emulgatoren dafür sorgen, dass sich die Inhaltsstoffe der Zahnpasta nicht entmischen, die aber auch unsere Schleimhäute durchlässiger machen, als sie es sonst sind? Ist der Weißmacher Titandioxid wirklich für alle Menschen unbedenklich (immerhin ist er als Lebensmittelzusatz E171 in großen Mengen überall im Einsatz)? Und: Wie viele und welche Fluoride gehören in eine Zahnpasta? Sind Natrium- oder Zinnfluoride besser als biogene Amine (Aminfluoride)? Wer versucht, sich im Internet oder beim Studium der wissenschaftlichen Literatur einen Überblick zu verschaffen, wird bald in Zweifel ziehen, dass es eine allgemein gültige Antwort bei der Frage nach der "besten" Zahnpasta geben kann. (Hier erfahren Sie mehr zur sinnvollen Vorbeugung von Zahnkaries.)

Ebenso wenig übrigens wie bei der Frage nach der "besten Ernährung".

Insofern haben es die Prüfer nicht ganz so leicht, wenn sie Zahnpasten beurteilen sollen. Häufig werden heute bei Produktvergleichen (regelmäßig z. B. durch die STIFTUNG WARENTEST) "Naturprodukte" schon wegen des fehlenden Fluorids von vornherein mit "Mangelhaft" bewertet. Das kann man vor dem oben angesprochenen Hintergrund durchaus kritisch hinterfragen. Auch wenn wir Fluoride nicht automatisch und generell als "giftig" verteufeln, sehen wir sie prinzipiell kritisch. Und schon deshalb ist die Herangehensweise der Tester hier sicherlich noch nicht das letzte Wort der Debatte.

Was machen wir nun in der Praxis, wenn wir nicht Lebensmittelchemie studieren möchten, bevor wir eine Kaufentscheidung treffen?

Dasselbe wie beim Essen! Besonders empfindliche oder sogar kranke Menschen brauchen einen professionellen Berater, der ihre besondere Situation kennt und berücksichtigt. Und die meisten anderen kommen ganz gut damit klar, wenn sie vielleicht darauf achten, dass es unterschiedlich abrasive Zahnpasten gibt und man spätestens bei sensiblen Zähnen hoch abrasive Pasten meiden sollte!

Und ansonsten gilt: Das Wichtige am Zähneputzen ist, dass man es tut! Und mit einer geeigneten Technik dafür sorgt, dass ALLE Zähne von ALLEN Seiten gründlich gereinigt werden (mindestens einmal am Tag). Zahnpasten helfen dabei, denn ohne eine Zahnpasta wäre das mechanische Putzen in ähnlicher Weise ineffektiv, wie es das Putzen des Waschbeckens mit nur einem Lappen oder Schwamm wäre: Es geht! Aber... so lange putzt kein Mensch!

Der Rest ist weitgehend Geschmackssache. Lest, wenn es Euch interessiert! Probiert aus, was Euch gut tut. Und wechselt die Marke der Zahnpasta - kein Landwirt baut auf seinem Boden immer dasselbe an! In jeder Einseitigkeit kann auch ein Fehler enthalten sein. Und wenn in einer Zahnpasta wirklich ein Zusatz enthalten ist, von dem wir heute vielleicht noch gar nicht wissen, welche Wirkungen er hat, dann ist es jedenfalls kein Fehler, diesen Zusatz nicht lebenslänglich jeden Tag zuzuführen. Die Frage nach der Zahnpasta ist wesentlich weniger wichtig als die Frage nach einer gesunden Ernährung! Wer sich mit seiner gesunden Ernährung beschäftigt, hat auch schon im Kampf gegen Karies und Parodontitis die Weichen in eine richtige Richtung gestellt. Und macht aus der Frage nach der Zahnpasta bitte nicht tagsüber eine Weltanschauungsfrage, die sich dann, am letzten Ende, abends vor dem Schlafengehen, sowieso erledigt wegen "fällt heute aus!" - Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Das gilt auch für das Zähneputzen.

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