Mondrhythmen

Von einer Zahnarztpraxis mit ganzheitlichem Ansatz wird gelegentlich erwartet, dass wir die Mondrhythmen beachten, nur bei abnehmendem Mond operieren, Stier- und Widdertagen aus dem Weg gehen und auch die Luftzeichen nicht außer Acht lassen! Wir erfüllen diese Wünsche natürlich auf Verlangen gern, erlauben uns aber, dazu inzwischen eigene Gedanken und Erfahrungen gesammelt zu haben.

In einschlägigen Ratgebern liest sich das so: "Wählen Sie für das Zahnziehen den abnehmenden Mond, besonders, wenn es sich um Weisheitszähne oder Kieferoperationen handelt, und gehen Sie den Stier- und Widdertagen aus dem Weg. Meiden Sie, wenn möglich, zusätzlich die Luftzeichen (Zwillinge, Waage, Wassermann)." Auch das Einsetzen der Kronen und Brücken soll nach Möglichkeit bei abnehmendem Mond erfolgen, denn: "Ihre Haltbarkeit ist viel höher als bei zunehmendem Mond eingesetzt" (Johanna Paungger, Thomas Poppe: Aus eigener Kraft: Gesundsein und Gesundwerden in Harmonie mit Natur- und Mondrhythmen).

Mythos Mond? Alles Humbug?

Wer behauptet, muss auch beweisen! Hic Rhodos, hic salta (zu dt. Beweise, was du kannst)! Und wie will man beweisen, dass Brücken bei zunehmendem Mond unter denselben Umständen (die es so nie zweimal gibt) nicht ebenso lange gehalten hätten? Wir haben auch zur Kenntnis genommen, daß bei Nachuntersuchungen an 228 Knie- und Hüftoperationen an einem österreichischen Landeskrankenhaus (Edgar Wunder und Michael Schardtmüller) bei 12,7 % der Fälle Komplikationen aufgetreten waren, die laut Studie in keinem erkennbaren Zusammenhang mit einer Mondphase standen.

Wir selbst haben an unseren Patienten keine Zusammenhänge erfahren können, obwohl wir auf Wunsch natürlich die entsprechenden Tage zur Verfügung stellen. Wir operieren erfolgreich bei zunehmendem Mond und hatten bei einer Patientin auch schon lang anhaltende Nachblutungen, obwohl wir auf ausdrücklichen Wunsch im Sinne des ersten Satzes über das Zahnziehen alle negativen Mondeinflüße ausgeschlossen hatten (so problematisch sind Nachblutungen natürlich auch nicht, man kann sie homöopathisch ganz gut in den Griff bekommen! Das wiederum können wir auch durch Erfahrung belegen! Den Skeptikern unter den Kollegen sei zugegeben: "Auf Druck steht jede Blutung!" - Die Frage ist nur, wann...).

Wir bleiben trotzdem dabei, auf Wunsch Mond- und Biorhythmen zu beachten (um letztere ist es wieder auffällig still geworden, nachdem eine Zeit lang die Friseure die Haare nur nach computeranalysierter Biorhythmus-Bestimmung schnitten...), weil wir davon ausgehen, daß sich nicht alles statistisch erfassen läßt: Während manche Frauen ihre Regel streng nach dem Mondrhythmus haben, sind andere davon noch nie erfasst gewesen! Bleiben wir dabei, jeden Menchen individuell zu erfassen und mit Liebe und Respekt nach seinen Wünschen zu behandeln, wenn und solange es uns möglich ist!

Aber wenn die Haltbarkeit von Kronen und die Komplikationsrate von Operationen in nennenswerter Weise vom Mondrhythmus gesteuert würde, und nicht durch alle anderen Faktoren, um die wir uns in wissenschaftlicher und handwerklicher Weise tagtäglich bemühen, dann sähe unsere Erfolgs-Statistik schlecht aus: Wenn man z. B. die Forderungen befolgt und die dann noch möglichen Arbeitstage (Samstag/Sonntag abgezogen) in ein Terminbuch einträgt, dann bleiben im Jahre 2006 beispielsweise pro Monat nur ein (Juni) bis acht (Dezember) Arbeitstage übrig. Und an allen anderen Tagen arbeiten wir gegen die Naturrhythmen? Na gut!

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