Kommen Implantate für mich in Frage?

Implantate sind eine verhältnismäßig neue, aber inzwischen sehr etablierte Errungenschaft der modernen Zahnheilkunde. In vielen Fällen wird so ein Zahnersatz verloren gegangener Zähne möglich, ohne dass Nachbarzähne einbezogen werden müssen. In anderen Fällen kann ein herausnehmbarer Zahnersatz vermieden oder ein solcher sicherer befestigt werden.

Angesichts der oft hohen Kosten und des notwendigen Operationsaufwandes möchte man sich aber auch gerne sicher sein, dass diese Investition sinnvoll ist! Heute gibt es hier eine hohe Sicherheit, wenn man einige Voraussetzungen beachtet.

Bei weniger als 5 % Misserfolgen (Implantatverlust in den ersten fünf oder zehn Jahren) kann man bei der Implantologie heute von einem sehr sicheren medizinischen Verfahren sprechen. Andererseits kann nicht bei jedem Patienten beliebig implantiert werden: Sowohl die anatomischen Verhältnisse an freiem Knochenangebot müssen jeweils einzeln beurteilt werden, als auch die Reaktionslage des Organismus insgesamt.

Rauchen, Alkoholabusus, schlechte Mundhygiene und Zähneknirschen bzw. - pressen stellen einen komplikationslosen Verlauf des Vorhabens zumindest in Frage. Über die Frage von Sofortimplantationen und Knochenaufbau soll an dieser Stelle nichts ausgesagt werden: Dies ist Sache der Einzelberatung beim implantierenden Zahnarzt oder Kieferchirurgen. Weiter sollte als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass im Falle einer Parodontitis als Ursache für vorhergehende Zahnverluste, diese Ursache behandelt und ausgeschaltet werden muss: Auch Implantate können durch bakteriellen Befall angegriffen werden und gehen dann, auch durch das Fehlen anatomischer Abwehrgrenzen am Zahnfleisch, ebenso zugrunde wie zuvor die Zähne (Periimplantitis).

Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach der Verträglichkeit der in den Körper eingebrachten Werkstoffe. Der gebräuchlichste Werkstoff für Implantate (nicht nur in der Zahnheilkunde, auch in der Orthopädie) ist derzeit Titan, da dieses Metall sich als besonders bioverträglich erweisen hat. Dennoch kann es auch hier zu Sensibilitäten kommen, zumal wir heute durch Zusatzstoffe in Lebensmitteln (E 171), Zahnpasten und z. B. Sonnenschutzcremes, heute nahezu permanent mit Titanoxiden in Berührung sind. Titanallergien (oder besser: Titanunverträglichkeiten) sind dennoch selten und schwer nachweisbar, weil sie sich aufgrund der besonderen Eigenschaften des Titan nicht nach dem üblichen Muster einer sogenannten Typ IV-Allergie verhalten. Da ein Ausweichen auf Keramikimplantate nicht immer so problemlos ist, wie man es wünschen würde, kommt der Frage nach der individuellen Verträglichkeit eine besondere Bedeutung zu. Wir haben in unserer Praxis in den letzten Jahren zunehmend gute Erfahrungen mit Keramikimplantaten gemacht und sehen uns hier inzwischen an der Spitze einer Bewegung zu "weißen Implantaten".

Empfohlen wird heute im Zweifelsfall, zunächst einen Entzündungstyp-Gentest durchzuführen. Dieser Test ist in der Zahnheilkunde seit langem als "Risiko-Gentest" für Parodontalerkrankungen bekannt und trifft eine Aussage dazu, wie ein Organismus mit Entzündungsreizen umgeht. Wird hier eine Nullbelastung ("Normoresponder") festgestellt, sollte die Implantation keine Materialprobleme verursachen können. Immerhin 30 % der Bevölkerung zeigen in diesem Test jedoch eine mehr oder weniger ausgeprägte Auffälligkeit, die bei "High -Respondern" zur Abkehr vom üblichen Implantationspfad führen sollte, wenn man nicht vermeidbare Risiken eingehen möchte. Bei "Low-Respondern" können zusätzliche Tests aus der Umweltmedizin (Titanstimulationstest, ggfs. Lymphozytentransformationstests für die neben Titan möglicherweise geplanten Metalle) zusätzliche Aufklärung bringen. Diese labormedizinischen Tests werden - wie auch die nicht schulmedizinisch anerkannten alternativen Verfahren (Kinesiologie, Elektroakupunktur etc.) - im Regelfall nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen und sollten im Bedarfsfall von spezialisierten Behandlern bzw. Laboratorien durchgeführt werden.

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