Fluoridierung - eine sinnvolle Vorbeugung vor Zahnkaries?

Eine regelmäßige Kontrolle der Zähne durch den Zahnarzt ist eine sichere Gewähr für die rechtzeitige Einleitung zahnrettender Maßnahmen im Falle einer Karies, aber auch zur frühestmöglichen Entdeckung anderer Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen.

Für die Verhinderung der Karies stehen eine richtige Ernährungsweise und eine den Ernährungsgewohnheiten und den Möglichkeiten des Einzelnen Rechnung tragende Vorbeugung durch häusliche und professionelle Zahnpflege im Vordergrund (Individualprophylaxe). Empfohlen wird von Kinderärzten und Zahnärzten ferner eine unterstützende Härtung des Zahnschmelzes durch die Gabe von Fluoriden, die sich in den Schmelz einlagern und die Widerstandskraft des Zahnes gegen bakterielle Säureangriffe erhöhen. Diese Maßnahmen können lokal sein (Zahnpasten, Spüllösungen, Lacke, Gel), oder aber systemisch wirken (Tabletten, Salz- und Trinkwasserfluoridierung). Besonders der zweite Punkt wirft immer wieder Fragen auf, die bis heute nicht abschließend geklärt werden konnten. Die offizielle Empfehlung der Zahnärzte aufgrund neuerer Studien geht eindeutig gegen die systemische Fluoridierung, während Tabletten in Deutschland von den Kinderarztorganisationen (aber längst nicht allen Kinderärzten!) immer noch empfohlen werden: Leider eine (unnötige) Quelle der Verunsicherung für viele Eltern.

Ob und inwieweit die Zufuhr von Fluoriden tatsächlich der Natur und der Gesundheit des Menschen entgegenläuft, kann und soll sicherlich - nach all den zum Teil sehr erbittert und nicht immer sachlich geführten Auseinandersetzungen - nun bestimmt nicht per Internet entschieden werden. Für uns praxisentscheidend sind folgende Überlegungen:

Die Argumente für Fluoride kommen zum Tragen, wenn die anderen, aufwändigeren Schutzmaßnahmen gegen Karies versagt haben: Naturgesunde Ernährung, optimierte Mundhygiene, alternative Vorsorgemaßnahmen (z. B. periodisch zu gebende Homöopathika, Schüßlersalze). Eine ganzheitliche Betrachtungsweise sollte immer darauf drängen, dass diesen gesundenden Maßnahmen größte Aufmerksamkeit geschenkt wird! Dennoch empfehlen wir nach Absprache im Bedarfsfall durchaus, Fluoride direkt am Zahn als zusätzliche Schutzmaßnahme zu verwenden, wobei sich die Art der Anwendung und die Dosis an der tatsächlichen Kariesgefährdung ausrichten sollte.

Wenn jemand Ihnen aber ernsthaft den Vorschlag machen würde, ab morgen das Geschirrspülen zu unterlassen, weil das ja doch nicht gründlich klappt – und statt dessen Ihr schmutziges Besteck lediglich kurz in eine desinfizierende Lösung einzuhängen, um die Bakterienentwicklung zu hemmen: Was würden Sie tun?

Eben! Und was wir mit den Esswerkzeugen machen, die wir sichtbar in den Küchenschrank stellen, sollten wir unseren körpereigenen und unersetzbaren Esswerkzeugen, den Zähnen, doch wohl auch gönnen: Die Komplettreinigung! - Oder nicht?

P. S.: Billiger als Geschirrspülen wäre das Bakterientötungsbad allerdings! Und das gilt auch für die Fluoride: Fluoride sind die billigste Lösung, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche um die Klippen der Kariesbedrohung zu schiffen. Ob das langfristig auch gilt, ist allerdings nicht geklärt: Was ist eine Kultur kerngesunder Zähne (und Menschen) wert? - Gesund beginnt im Mund!

Weitere sehr ausführliche Hinweise zu einer Sicht auf das Fluoridthema aus der Sicht der anthroposophischen Medizin gibt das einschlägige Merkblatt, das neben anderen Merkblättern auch in einer Papierversion bestellt werden kann.

Mehr Informationen zum Thema Fluoride in einer nüchternen Betrachtungsweise.

Wer sich über die Hintergründe des ewigen Streites über die Fluoride informieren möchte, insbesondere über die Frage, warum Kinderärzte und Zahnärzte unterschiedliche Empfehlungen dazu herausgeben, dem sei ein Artikel zum Thema besonders empfohlen.

 

Ein alternativer Ansatz der Bakterienbekämpfung im Mund ist derjenige, die Anheftung der Bakterien auf den Zähnen im Ansatz zu verhindern

In Moosbeeren (Kranbeeren, Cranberries) hat man Stoffe entdeckt, die diese Wirkung haben. Während man bei den Cranberries aber über die Grundlagenforschung noch nicht hinaus ist, gibt es mit den Auszügen aus der Rosskastanien-Rinde (Aesculus, Cortex) in der anthroposophisch orientierten Zahnheilkunde seit langem einen gangbaren Weg in dieser Richtung.

Seit den siebziger Jahren wurde in Finnland in groß angelegten Langzeitstudien die Karies-Verminderung durch den Zuckeraustauschstoff Xylit untersucht. Zuckeralkohole (daher der synonym verwendete Name Xylitol ) kommen im Gegensatz zu den künstlichen Süßstoffen wie Aspartam auch natürlicherweise in Pflanzen und unserem körpereigenen Stoffwechsel vor, ihre Gewinnung aus der Birke oder dem Mais ist aber viel aufwändiger und damit teurer als die von gewöhnlichem Haushaltszucker (Saccharose) aus Rüben oder Zuckerrohr. Außerdem wurde die Unschädlichkeit auf den menschlichern Organismus lange geprüft, was erklären kann, warum diese Möglichkeit der Prophylaxe erst in den letzten Jahren langsam aus einem Schattendasein tritt.

Diskutiert werden sowohl der vollständige Ersatz der Saccharose durch Xylit in der Ernährung (was aber angesichts der weiten Verbreitung von Zucker in der Nahrungsmittelindustrie eine echte Herausforderung darstellt; glücklicherweise ist dies für eine Schutzfunktion laut Studienergebnissen auch nicht unbedingt erforderlich) - als auch die Verwendung von 5 bis 10 Gramm Xylit als Pulver, Pastille oder Kaugummi, verteilt auf mehrere Portionen am Tag, zum Beispiel als Ergänzung (nicht Ersatz!) zum Zähneputzen.

Die Prophylaxe-Effekte werden dadurch erklärt, dass die kariesbildenden Streptococcus mutans-Bakterien das Xylitol nicht verstoffwechseln können und damit absterben. Weiterhin werden die Bakterien daran gehindert, sich an die Zahnoberfläche anzuheften. Darüber hinaus regt Xylitol die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt.

Negative Effekte kann es, wie bei allen Nahrungsumstellungen, zunächst durch Blähungen und abführende Wirkungen geben - was bei der empfohlenen niedrigen Dosierung meist schnell vorübergeht. Höhere Dosierungen (über 50 Gramm/Tag über längere Zeit) werden nicht empfohlen, weil es dann  zu erhöhten Harnsäurewerten im Blut kommen kann. Denn für die Verstoffwechselung von Xylit, ebenso wie von Sorbit und Fruktose, wird viel des Energieüberträgers ATP benötigt, was dann für den Purinabbau fehlt.

Mit ein bisschen Nachdenken hat Xylit also gute Chancen, bei richtiger Anwendung ein vernünftiger Baustein in der Gesundheitsvorsorge zu werden.

Eine neue, sehr viel versprechende Alternative zur Fluoridierung ist die Remineralisation der Zähne mit dem Dentcoat-Verfahren, das wir als eine der ersten Praxen mit wachsender Begeisterung anwenden.

 

Links zum Thema

Ein umfassender Artikel zu den Wirkungen von Xylitol
Ein umfassender Artikel zum Thema Fluoridanwendung bei Kindern

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