Soll man Weisheitszähne entfernen?

Von vielen Zahnärzten wird empfohlen, zum Beispiel nach Abschluss einer kieferorthopädischen Behandlung, also meist im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, vorsorglich die Weisheitszähne bzw. deren Keime entfernen zu lassen. Begründet wird der Vorschlag mit der Gefahr, dass durch den Druck der Weisheitszähne nach vorne eine Verschiebung besonders der Unterkieferschneidezähne („tertiärer Engstand“) hervorgerufen werden kann.

Nun ist eine operative Weisheitszahnentfernung verständlicherweise mit Ängsten und Vorbehalten verbunden. Um Ihnen daher bei Ihrem Entscheidungsprozess zu helfen, möchten wir Ihnen im Folgenden die aktuellsten wissenschaftlichen Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DKZMK) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) zur Verfügung stellen (Beide Gesellschaften tun uns allerdings leider nicht den Gefallen, eine eindeutige Empfehlung auszusprechen).

Während die DGZMK dazu rät, „sogenannte prophylaktische (vorsorgliche) Indikationen (zur Weisheitszahnentfernung) eher kritisch zu betrachten“ , stellt die DGKFO den Sachverhalt etwas differenzierter dar. Die kieferorthopädische Fachgesellschaft weist darauf hin, dass eine Reihe von Ursachen, besonders allgemein wachstumsbedingte, für den tertiären Engstand beschrieben werden, die in keiner Weise mit den Weisheitszähnen zu tun haben. Sie kommt zu dem Schluss: „Die Vielfalt der Faktoren deuten darauf hin, dass die Abhängigkeit zwischen Weisheitszahndurchbruch und Ausprägung eines unteren Frontengstandes keineswegs so linear zu sehen ist, wie es bei oberflächlicher Betrachtungsweise den Anschein haben könnte. Die Entwicklung eines tertiären Engstandes stellt sich vielmehr als sehr komplexer Vorgang dar, bei welchem neben dem Weisheitszahn eine Vielzahl anderer Faktoren eine Rolle spielen kann, was eine Vorhersage außerordentlich schwierig gestaltet.“

Aus dieser Einschätzung ergeben sich die folgenden eingeschränkten Empfehlungen der DGKFO für eine Weisheitszahnentfernung, denen wir uns aus zahnärztlicher Sicht in vollem Umfang anschließen und die wir Ihnen natürlich anhand des Röntgenbildes erklären können:

  1. bei Verlagerung der Weisheitszahnkeime (die spätere Durchbruchsprobleme erwarten lassen)
  2. bei den ersten erkennbaren Anzeichen eines Engstandes in der unteren Front, wenn ein Durchbruch sowie eine korrekte Einordnung der Weisheitszähne aufgrund fehlenden Platzes oder Verlagerung (ohnehin) nicht zu erwarten sind.

Selbstverständlich ist nach unserer und der Ansicht der DGZMK die Weisheitszahnentfernung auch immer dann angezeigt, wenn die Weisheitszähne röntgenologisch sichtbare krankhafte Prozesse in ihrer direkten Umgebung verursachen (Zysten im Knochen, Karies oder Druckschäden an ihren direkten Nachbarzähnen). Sollten wir letztlich aus einem der genannten Gründe die Entfernung von fraglichen Weisheitszähnen empfehlen, raten wir grundsätzlich, den Eingriff im jungen Erwachsenenalter durchführen zu lassen, da die Komplikationsrate bei steigendem Lebensalter erwiesenermaßen zunimmt. Das Kieferwachstum sollte im Idealfall allerdings abgeschlossen sein - Frühextraktionen von Keimlingen sollten die Ausnahme bleiben: Letztlich kann so etwas nur im Einzelfall entschieden werden.

Zur vorbereitenden bzw. begleitenden Behandlung (bessere Wundheilung) empfehlen wir wie bei allen Operationen im Knochenbereich oft Arnica, Traumeel oder Bromelain und zur besseren Nährstoff-Versorgung die gezielte Zufuhr von Vitamin D3 und anderen "Baustoffen" für die Wundheilung. Um es sich leicht zu machen, kann man hier auch auf das "Bone-healing-Protokoll" von Dr. Nischwitz (Tübingen) zurückgreifen.

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