Die Goldstopftechnik

war und ist bis heute die langlebigste, biologisch verträglichste und ästhetisch ansprechende Alternative zu Amalgam und Kunststoff.

Noch bevor eine Mischung aus Silber, Kupfer, Quecksilber und anderen Metallen (Amalgam genannt) in der Mitte und zu Ende des 19. Jahrhunderts als preisgünstiges Füllmaterial für Zahnfüllungen entdeckt und verbreitet wurde, gab es mit der „Goldstopftechnik“ ein Verfahren, Metall im Mund des Patienten so zu verarbeiten, dass es nicht erhitzt werden muss.

Die Verarbeitung von hauchdünnem Blattgold oder luftigen Goldschwämmchen mittels feiner Stopfer und Hämmerchen („Goldhämmerfüllung“) zu äußerst haltbaren Zahnnachbildungen war allerdings damals nur den begüterten Kreisen zugänglich. Im ersten der drei amerikanischen „Amalgamkriege“ (unversöhnliche Auseinandersetzung von Amalgamgegnern und Amalgambefürwortern in der Zahnärzteschaft) war die offizielle amerikanische Standesorganisation ADA noch auf der Seite der Amalgamgegner und drohte jedem Dentisten mit dem Ausschluß, der die für Arme unbezahlbaren Goldfüllungen durch die „Schmiererei mit Quecksilbergemischen“ ersetzte.

Heute haben sich die Verhältnisse in jeder Hinsicht verändert. Alte Füllungstechniken wurden verbessert, neue kamen hinzu, die grundlegende zahnmedizinische Versorgung erstreckt sich bei uns heute auf alle Menschen, unabhängig von ihrem Einkommen. Unterschiede gibt es aber auch weiterhin in der Güte der Füllungsarten. In ihrem Aufwand. Und damit in ihrem Preis.

Viele Menschen suchen heute wieder nach einer Alternative zu Amalgam-Füllungen. Zahnfarbene Kunststoffe und Keramiken haben Amalgamfüllungen heute schon zu einem großen Teil verdrängt. Und auch Goldfüllungen, die klassische wertbeständige Alternative zu Amalgam, haben weiterhin ihren Platz in der Zahnheilkunde.

Alle diese Füllungen stellen eine Verbesserung zu der Kassenleistung „Amalgam“ dar, sind aber aufwendiger und damit nur durch eine finanzielle Eigenleistung des Patienten zu erbringen. Deshalb wird heute sehr genau abgewogen, dass das Preis-Leistungsverhältnis von Aufwand und Nutzen stimmt.

Ausgerechnet die klassische Goldhämmerfüllung hat bei diesen Überlegungen einige bestechende Vorteile:

Sie wird aus reinem Gold gefertigt (also nicht aus einer mit anderen Metallen vermischten Legierung). Dies verhindert die gelegentlich bei Metall-Füllungen auftretenden Unverträglichkeiten, zumal das Metallgefüge durch die hohe Verdichtung beim mechanischen Stopfen gegenüber einer durch den Guss entstandenen Metallstruktur nochmals verbessert wird: Goldstopf-Füllungen sind besser als gegossene Goldinlays!

Goldstopf-Füllungen sind seither als bioverträglich bekannt. Entzündungen am Zahnfleischrand, wie man sie bei anderen Füllungen manchmal beobachten kann, tauchen nicht auf. Ihre Verträglichkeit ist durch die Erfahrung von 200 Jahren praktisch belegt, was man von den heute angewendeten Kunststoffen mit ihren vielen Hilfsmaterialien (Bonding-Klebstoffe, Photokatalysatoren etc.) nicht behaupten kann. (Anmerkung aus umweltmedizinischer Sicht: Eine allgemeine "Bio-Kompatibilität" gibt es nicht! Die Verträglichkeit von Materialien ist beim Menschen immer individuell, auch die individuelle Verträglichkeit von Gold).

Die Goldhämmerfüllung ist jedenfalls die langlebigste Füllungsart, die ihre Dauerhaftigkeit neben ihrer Verträglichkeit im Gegensatz zu vielen heute entwickelten Verfahren in vielen Jahrzehnten bewiesen hat.

Dass die Goldhämmerfüllung dennoch zur Zeit keine weite Verbreitung hat, liegt an dem zeitraubenden Vorgang des Goldstopfens: Eine kostengünstige kleine Kunststoff-Füllung ist (zunächst) unsichtbar und trotz des Mehraufwandes gegenüber einer Amalgam-Füllung immer noch viel schneller gemacht als eine Füllung, bei der hauchdünne Foliengolde in einem kunstvollen Prozess zu einem individuellen Nachbild des Zahnes verschweißt werden.

Diese Technik eignet sich daher nur für geduldige Zahnärzte und Patienten, die in dem Bewusstsein, das Bestmögliche für die nächsten Jahrzehnte zu schaffen, einige Zeit miteinander verbringen möchten. Schon aus Zeit- und Kostengründen eignet sie sich daher eher auch nur für kleine Füllungen. Gerade im gut gepflegten und daher wenig kariesanfälligem Gebiss gesundheitsbewusster Menschen und ihrer Kinder ist sie die optimale Alternative bei den kleinen Löchern, die sich im Bereich natürlicher Grübchen im Zahn gebildet haben.

Wir empfehlen sie daher bei:

Sie finden das alles interessant und wundern sich nun, dass Sie bisher bei Ihrem Zahnarzt noch nie etwas von der Goldhämmerfüllung gehört haben?

Die simple Antwort: Diese Füllungstechnik ist eben nicht simpel! Sie ist fehleranfällig und für den schnellen Massenmarkt zu kompliziert. Daher wird sie im Studium der Zahnheilkunde heute nicht mehr gelehrt (außer in freiwilligen Kursen in den Semesterferien in Göttingen und an der Privatuniversität Witten). Vor 100 Jahren war sie verbreitet, aber für die meisten Menschen unbezahlbar. Mit einem Preis von ca. 300 Euro ist sie zwar heute für weitaus mehr Menschen erschwinglich als früher, aber eben dennoch eher ein Geheimtip für Perfektionisten, die es mit der Gesundheit und der zahnärztlichen Kunst sehr genau nehmen.

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