Zahnfleischprobleme

Etwas altbacken ist die Übersicht über die Parodontalerkrankungen auf der Seite der kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZBV) derzeit, auf der aber ein ganz guter Überblick über wesentliche Grundlagen der Erkrankung und ihrer Behandlung gegeben wird. Ein Kurztest zum Thema Zahnfleisch befindet sich auf der Seite der sehr ansprechenden und informativen Patientenseite der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie. Der Ratgeber, den Sie auch in unserer Praxis kostenlos erhalten, ist dort ebenfalls bereits als Download erhältlich (zusammen mit spezialisierten Ratgebern z. B. für Patienen mit Diabetes.)

Immer mehr wird in Wissenschaft und Medien bewusst, dass Zahnfleischprobleme nicht isoliert betrachtet werden sollten, da sie mit der allgemeinen Gesundheit wie ein Spiegelbild verknüpft sind. Heute werden Zusammenhänge mit Diabetes und Herzproblemen heftig diskutiert! Wir sehen diese zum Teil sehr kontrovers geführten Diskussionen allerdings oft in einer Einseitigkeit geführt, die unseres Erachtens zu kurz greift ("Zahnbakterien verursachen Herzinfarkt!"). Eher schon stimmt die alte Grundregel ("Der Tod sitzt im Darm!"), nach der der Zustand der Gesundheit steht und fällt mit einer gesunden Verdauung gesunder Nährstoffe. Eine ganzheitliche Betrachtung des Beginns des Verdauungstraktes (und das ist ja die Mundhöhle) kommt daher um eine Betrachtung der Verdauung nicht herum.

Das Thema Mundgeruch ist mit dem Thema Parodontitis eng verknüpft, weil die Ursachen entgegen landläufiger Meinung meist nicht aus dem Magen stammen, sondern zu ca. 90 % in der Mundhöhle zu finden sind. Die englischsprachige Seite eines weltweit führenden Mundgeruchs-Spezialisten, Mel Rosenberg, war lange Zeit ein einsamer Vorreiter zu diesem ungeliebten Thema: Die erste deutschsprachige Patientenbroschüre entstand aus den Erfahrungen der Mundgeruchs-Sprechstunde der Uni Basel. Professor Andreas Filippi, der Leiter der Mundgeruchs-Sprechstunde der Uni Basel, hat auch einen Web-Fragebogen entwickelt, den Patienten vor einem Zahnarztbesuch ausfüllen können, wenn sie die professionelle Hilfe des Zahnarztes in der Frage Mundgeruch in Anspruch nehmen möchten. Wir empfehlen, diesen Fragebogen ausgefüllt und ausgedruckt in die Praxis mitzubringen.

Obwohl aktuelle Forschungen einen immer bekannter werdenden Zusammenhang zwischen der genetischen Ausgangslage des Patienten und seiner Reaktion auf die bakterielle Belastung erkennen, und immunologische Tests in Zukunft sicherlich eine größere Rolle spielen werden als heute noch, kommt der Infektionskontrolle durch häusliche und professionelle Prophylaxe bei dieser Erkrankung derzeit eine herausragende Bedeutung zu. Das Zahnsystem steht am Anfang des Verdauungstraktes und kann, wenn eine Therapie von dauerhaftem Erfolg sein soll, sicherlich nicht isoliert für sich betrachtet werden. Wir arbeiten hier gerne mit Ärzten und anderen Therapeuten Hand in Hand.

Weitere Möglichkeiten für nicht in erster Linie zahnärztliches Eingreifen hat jeder im Rahmen der häuslichen Therapie: Die nachfolgenden Empfehlungen verstehen Sie bitte als allgemeine Anregungen, die im Einzelfall noch ergänzt werden können:

Ernährung: Übersäuerung durch die Ernährung vermeiden! (auch seelische Übersäuerung..., also Stress). Keine spezielle „Diät“, aber nach Möglichkeit viel Rohkost! Industriezucker und Weißmehl meiden, statt dessen Vitamin B und Vitamin C-reiche Kost. Vitamin Q 10 spielt ebenfalls eine wichtige Rolle und ist in speziellen Zubereitungen erhältlich. Grundsätzlich gilt: Den Fleischkonsum (tierische Eiweiße) möglichst einschränken. Die Abbauprodukte übermäßigen Fleischkonsums schädigen die Endstrombahnen der Blutgefäße. Das heißt aber nicht, dass wir "Körnerfresser" wären, oder dazu aufrufen. Jede Übertreibung, die in Zwanghaftigkeit endet, hat ihre fatalen Seiten.

Rauchen und Alkoholgenuss schädigen das Blutgefäßsystem ("Raucherbein"). Dies gilt auch für das empfindliche Blutgefäßsystem des Zahnhalteapparates, des sogenannten „Parodonts“. Der Heilungserfolg für die Parodontose-Behandlung wäre deshalb bei uneingeschränkter Fortsetzung der schädigenden Gewohnheiten in Frage gestellt. Führende Parodontologen in vielen Ländern der Welt behandeln Raucher wegen der deutlich schlechteren Behandlungsergebnisse nur noch mit klaren Einschränkungen - oder sie machen die Mitwirkung an einem Entwöhnungsprogramm zur Vorbedingung. Dieser Trend wird sich vermutlich bald auch in Deutschland durchsetzen. Immerhin ist die Dosis der „20-Year-Packages“ erwiesenermaßen eine sichere Ursache für den Misserfolg einer Parodontosebehandlung! Vielleicht ist die überstandene Parodontose-Behandlung ja ein Anlass, Ihren alten Vorsatz endlich umzusetzen und freiwillig aufzuhören! (Die "20-Year-Package“-Dosis hat, wer 20 Jahre lang eine Schachtel Zigaretten/Tag raucht – oder z. B. zehn Jahre lang zwei Schachteln, oder vierzig Jahre lang zehn Stück am Tag...)

Zahnpasta: Zahnpasta ist Geschmacksache. Wenn Sie eine Lieblingspasta haben: Bleiben Sie dabei! Empfehlungen dürfen wir an dieser Stelle nicht aussprechen, wir verweisen aber auf eine Studie der Universität Dresden. Die dort getesteten Zahncreme-Marken haben allerdings inzwischen ihren Namen gewechselt. Während der Parodontal-Behandlung sollte die Reinigung zeitweise durch Mundspülungen ergänzt (unmittelbar nach der Behandlung: ersetzt) werden, wobei der gängige Wirkstoff Chlorhexidin, wenn wir ihn indiziert sehen, nur als kurzfristige Therapie empfohlen wird, nicht jedoch in der langfristigen Prophylaxe-Anwendung. Auch hier gilt: Das eine, ideale und für jeden geeignete Medikament gibt es nicht. Lassen Sie in der Prophylaxesprechstunde beraten!

Senfmehl (aus der Apotheke): Bei Neigung zu kalten Füßen und Entzündungen im Kopfbereich sind spätabendliche Fußbäder mit Senfmehl eine sehr empfehlenswerte Hilfe! 1 Esslöffel Senfmehl auf ½ Eimer heißes Wasser, heiß zugießen wie gerade noch erträglich. Füße danach nicht wieder kalt werden lassen vor dem Schlafengehen (Anregung der Durchblutung wirkt förderlich auch im erkrankten, minder durchbluteten Parodontalgewebe).

Rosmarin-Bademilch-Zusätze können 1-2x pro Woche als Vollbad zusätzlich durchblutungsfördernd und immunstimulierend (Ich-stärkend) wirken; möglichst nicht abends wegen der belebenden Wirkung des Rosmarins. Am besten wirksam ist die Form der sogenannten Öldispersionsbäder nach Werner Junge.

Magen- und Darmstörungen können mit Parodontalerkrankungen vergesellschaftet sein. Bei einem derart gestörten Zusammenspiel der harmonischen Organfunktionen sollte internistisch abgeklärt werden, ob eine Darmsanierung von Vorteil wäre. Das kann bis hin zu einem Kuraufenthalt führen, wobei praktischerweise auch in Hamburg selbst ein ambulanter Ableger der bewährten Mayr-Therapie entsteht.

Ein Tipp zur Entgiftung des Mundraumes, den jeder sofort umsetzen kann, ist das altbekannte Ölziehen nach Prof. Karach, das aus der ayurvedischen Medizin über Russland zu uns kam. Es ist als langfristige Maßnahme gedacht! - Heute wissen wir übrigens, dass Öl auch gerade diejenigen Bakterien bekämpft, die uns in der Parodontitis besondere Probleme bereiten (wer es genau wissen will: Anaerobe Bakterien, die in der normalen Mundflora einen Anteil von ca. 25 % haben, sind in den erkrankten Geweben oft auf bis zu 75 % vermehrt. Da ihre Zellwände lipophil (also fettgängig) sind, sind Öle in der Lage, gerade deren Zellwände zu durchwandern und zu schädigen und so das Absterben dieser Bakterien zu bewirken).

Stress ist heute als unterstützender Faktor für eine parodontale Erkrankung anerkannt. Unter das Kapitel „Stress“ fallen ganz sicher auch eine ganze Reihe von seelischen „Unordnungen“, die gegebenenfalls angeschaut und durch Gespräche, Gesprächstherapien, biografische Korrekturen in richtige Bahnen gelenkt werden wollen. Auch eine Unterstützung beispielsweise durch Blütenessenzen nach Dr. Bach haben wir als hilfreich erlebt.

Link:

Umweltmedizinische Bedeutung der Parodontitis

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