Das Kiefergelenk

Das Kiefergelenk verbindet den unbeweglichen, oberen Teil des Kopfes (Nerven-Sinnes-System des Menschen) mit dem beweglichen unteren Teil, dem Unterkiefer, der die Verdauung der Nahrung beginnt (Stoffwechsel-Gliedmaßen-System des Menschen), der aber auch bei geistiger Anstrengung eingeschaltet wird ("Zähne zusammenbeißen und durch!").

Es steht also wie ein Vermittler zwischen diesen beiden Polaritäten und kann bei Überlastung des Menschen auch selbst ganz schön unter Druck geraten ("Zähneknirschen"). Aber auch im Normalfall ist dieses hochkompliziert als Doppel-Scharnier konstruierte Gelenk eines der am häufigsten benutzten Gelenke. Abnutzungserscheinungen und Fehlfunktionen sind daher keine Seltenheit.

Rein physiologisch betrachtet ist das Kiefergelenk das einzige Doppel-Scharnier des Menschen, hochkompliziert für Dreh- und Gleitbewegungen konstruiert und im Zusammenspiel aus Knochen, Knorpel, Bändern und Muskeln mit den Zähnen eine gesonderte Betrachtung wert. Zahnärztlicherseits werden hier die Methoden der Funktionsdiagnostik eingesetzt, denn Abnutzungserscheinungen und Fehlfunktionen sind keine Seltenheit.

Interessant ist, dass unmittelbar hinter dem Kiefergelenk auch eine Vielzahl aller vom Schädel abwärts ziehenden Akupunktur-Meridiane dicht gebündelt verlaufen, um sich dann wieder voneinander zu entfernen. Störungen im Kiefergelenk können also leicht nicht nur auf der unmittelbar muskulären Ebene Auswirkungen auf den übrigen Organismus haben.

In einer anthroposophisch orientierten Betrachtungsweise steht das Kiefergelenk zwischen dem Nerven-Sinnes-System (im Seelischen: dem Denken) im oberen Kopfbereich und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (im Seelischen: dem Wollen) im unteren Menschen. Im Ausgleich zwischen diesen Systemen bewegt sich das Rhythmische System (im Seelischen: das Fühlen), zu dem wir auch das Kiefergelenk zählen. Daher wird ersichtlich, welche Rolle das Kiefergelenk bei gefühlten Überforderungen spielt: Unser Bewegungsraum wird eng - das Herz, klassischer Träger von Rhythmus im Körper, gerät fühlbar unter Druck, das Kiefergelenk gerät es auch.

Was also ist zu tun?

Eine "Knirscherschiene" ist oft der erste und sicherste Weg, die unter zu großen Druck geratenen Zahnreihen wieder voneinander zu lösen und Zahnschäden durch massiven Abrieb zu vermeiden. Bei größeren Störungen der Funktion müssen auch funktionstherapeutische Maßnahmen und physiotherapeutische Hilfen mit der Schienentherapie verknüpft werden, um das Gebiss zunächst aus der Fehlfunktion zu führen. Medikamentöse Hilfen für das Kiefergelenk sind ergänzend sinnvoll. Später mögen dann weitere zahnärztliche Maßnahmen eine verbesserte Funktion dauerhaft wieder herstellen.

Liegt die Ursache der Fehlbelastung dagegen vorwiegend im seelischen Bereich, wird man - je nach Schwere der Belastung - auch im seelischen Bereich die Lösung suchen müssen! Akute Spitzenbelastungen (z. B. Prüfungsstress, Trennungen, Berufs- und Ortswechsel) regulieren sich oft nach einiger Zeit. Wie Oma immer sagte:
"Das gibt sich bis siebzich..."

Dauerstress dagegen, chronische Belastungen, können mitunter psychotherapeutische Hilfe erforderlich machen - wie auch immer die im Einzelfall aussehen mag (klassische "Psychotherapie", Einzelkurse über Entspannungstechniken, Meditationen, Biographiearbeit, Kunsttherapie, Heileurythmie).

Manchem hilft für die Veränderung in Lebenseinstellung und Lebensführung vielleicht ein Innehalten, ein Aufräumen und die bessere Strukturierung, oder auch schon ein gutes Buch (Tipp: Die Entscheidung liegt bei Dir – Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit): Kreativ werden statt reaktiv! Vom Opfer zum Schöpfer!

Weitere Tipps als "Erste Hilfe"

Hilfreiche medikamentöse Unterstützung neben den üblichen Zahnpasten und Schutzlacken beim Zahnarzt für sensible Zähne (Heiß-/Kaltempfindlichkeit der Zähne):

Selbst-Umprogrammierung zur „Ruhe-Schwebelage“ der Zähne: „Keep your teeth apart!“ - Nehmen Sie die Zähne auseinander! Viele Patienten ahnen nicht einmal, wie oft sie täglich mit zusammengebissenen Zähnen herumlaufen oder -sitzen. Wir geben unseren Patienten daher kleine Klebepunkte mit, wie man sie in jedem Schreibwarenladen erhalten kann. Diese Punkte sollen dahin geklebt werden, wo Sie unter Stress arbeiten: Also z. B. jetzt ein Punkt auf Ihren PC-Bildschirm! Und immer, wenn Sie den Punkt im Alltag wieder sehen, fragen Sie sich doch bitte: Wo sind meine Zähne jetzt? Locker zwei Millimeter voneinander entfernt? Oder wieder voll aufeinander?

Fortgeschrittenen-Programm, das "Organ der Mitte" zu entlasten, indem man zur Mitte (zurück) findet:

Was überfordert mich regelmäßig? Wer steuert mich? Wem dient das? Was will ICH? Was kann und will ICH ändern? Was auf keinen Fall? Was gibt mir Rhythmus? Was ist mein Ideal? Wie verwirkliche ich das immer mehr und immer besser?

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